„Wut im Bauch“ – Wutanfälle bei (Klein)Kindern (Gastbeitrag)

Seit einiger Zeit sind sie auch mir
bekannt… die berüchtigten Wutanfälle von Kleinkindern. Da wird sich auf den
Boden geworfen, herzzereissend geweint, gebrüllt und getreten… und das nur weil
mein 19 Monate alter Sohn nicht den Autoschlüssel zum spielen bekommt. Von der Reaktion
völlig überrascht, versuchte ich beim
ersten Mal erst rauszubekommen was eigentlich das Problem ist, um ihm dann
besänftigend zu erklären warum der Autoschlüssel kein Spielzeug ist.
Ohne Erfolg, aber der Autoschlüssel war zum Glück nach kurzer Zeit wieder völlig
vergessen. An die wahrscheinlich vergleichsweise noch milden Ausbrüche musste
ich mich erst einmal gewöhnen (Mir graut schon vor der Supermarkt-Schrei-Phase…). 
Mit solchen und ähnlichen Situationen
hat Nicki berufsbedingt fast täglich zu tun. Als Erzieherin/Dipl. Sozialpädagogin leitet sie
ein Kinderhaus für Kinder von 1 – 10 Jahre. Nebenbei (!) ist sie auch
Studentin und hat ein Faible für alles Kreative, wie Malen, Nähen und Fotografieren
– alles hier auf ihrem Blog zu bewundern. Heute gibt sie uns einige praxiserprobte
Tipps zum Thema Wutanfälle und wie man damit am besten umgeht.

Welche Eltern kennen diese oder
ähnliche Situationen nicht:
Der ganz normale alltägliche Einkauf
im Supermarkt mit Kind wird zum Horror! Nicht etwa, weil das Angebot so
vielfältig ist und Mann/Frau sich nicht entscheiden kann, oder die Schlange an
der Kasse so lang ist, nein weit gefehlt! Vielmehr weil das Kind es schafft,
dass gefühlt alle Blicke, aber wirklich ausnahmslos alle, auf einen gerichtet
sind weil es mal eben schnell meint den ganzen Laden „zusammenbrüllen,
zusammenstampfen, zusammenweinen,…“ zu müssen.
Ja, das ist unangenehm, nerventötend und schwer auszuhalten, aber eins sei an
dieser Stelle gesagt: es gehört absolut zum Kleinkindalter und „größer werden“
dazu und ist völlig normal!
Während wir Erwachsenen es längst gelernt haben, uns zu beherrschen und die
eigenen Gefühle unter Kontrolle zu haben, muss der Nachwuchs erst seinen Weg
finden. Einen Weg, um mit den eigenen Gefühlen umgehen zu können, denn Wut ist
nichts anderes als ein Gefühl und für Kinder ein Mittel Spannungen abzubauen,
möglicherweise auf die eigene Angst und auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu
machen, einfach darauf aufmerksam zu machen, dass ihnen absolut etwas nicht
passt.
Nicht nur als Eltern wird man mit
solchen Situationen konfrontiert, auch aus meinem beruflichen Alltag kann ich
von solchen Situationen berichten, und ja, auch ich als „Sozitante“ bin immer
wieder erstaunt wie viel „Wut im Bauch eines Kindes“ stecken kann und komme in
solchen Momenten an meine persönliche Grenze. Da sich Wutanfälle bei
(Klein)Kindern nicht vermeiden lassen, weil sie eben zur Trotzphase,
Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und Abnabelung dazugehören, ist es umso
wichtiger sich einen adäquaten Umgang vor Augen zu halten.
Aber wie soll man nun mit einem
Wutanfall umgehen? Wie in allen pädagogischen Fragen ist es schwierig an dieser
Stelle eine allgemeingültige Aussage zu treffen Hilft es bei einem Kind es
tröstend in den Arm zu nehmen, es einfach ohne große Worte festzuhalten und ihm
so zu zeigen es ist o.k., dass du wütend bist, ich bin für dich da und tröste
dich, kann dies bei einem anderen Kind gerade das Gegenteil bewirken. Die
folgenden 1. Hilfe-Tipps können und sollen nicht 1:1 übertragen werden, aber
vielleicht beinhalten sie den Ein oder Anderen Ratschlag:
Nehmen sie die Wutanfälle ihres Kindes
nicht persönlich, denn so sind sie seitens ihres Kindes nicht gemeint.
Auch wenn es unangenehm ist wenn ihr
Kind in der Öffentlichkeit einen Wutanfall bekommt, schämen sie sich nicht, sondern
haben sie vor Augen, das sie mit dieser Problematik nicht alleine sind.
Behalten sie im Kopf das ein Wutanfall
nicht grundsätzlich bedeutet, dass ihr Kind seinen Willen durchsetzen möchte.
Ebenso können Frustration, Aufmerksamkeit oder gesundheitliche Probleme ein
Auslöser sein. Versuchen sie in diesem Zusammenhang die Ursache eines
Wutanfalls herauszufinden.
Bieten sie ihrem Kind unterschiedliche
Möglichkeiten an mit der Wut umzugehen, z.B. es tröstend in den Arm zu nehmen,
oder sich im eigenen Zimmer beruhigen zu können,… .
Achten sie auf ihre eigenen
Frustration in diesem Moment und lassen die Wut nicht auf sich übertragen.
Erfüllen sie nicht jeden Wunsch des
Kindes wenn es einen Wutanfall bekommt! Schnell wird es sonst dadurch lernen:
o.k., wenn ich wütend bin dann bekomme ich was ich möchte.
Sorgen sie dafür, dass sich ihr Kind
bei einem Wutanfall nicht verletzen kann.
Versuchen sie gar nicht erst mit ihrem
Kind vernünftig zu reden wenn es in einem Wutanfall steckt! Es kann und will
sie in diesem Moment nicht verstehen und kann seine eigene Wut nicht in Worte
fassen. Machen sie im vielmehr deutlich, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt
mit ihm darüber reden, denn jetzt ist eine Gewisse Ignoranz notwendig. Nicht
weil sie ihm damit zeigen wollen das es ihnen egal ist, sondern weil sein
Verhalten im Moment nicht sozialverträglich ist.
Sprechen sie zu einem späteren
Zeitpunkt, wenn sich die Wogen geglättet habe, mit ihrem Kinder über sein
Verhalten und verdeutlichen sie ihm, dass sein Verhalten falsch war.
Loben sie ihr Kind, wenn es zu einem
späteren Zeitpunkt schafft in einer ähnlichen Situation angemessen mit dieser
Umzugehen.
Reagieren sie niemals mit Gewalt auf
einen Wutausbruch ihres Kindes.
Aus meinem beruflichen Alltag heraus
kann ich noch das Ein oder Andere Bilderbuch empfehlen. 
Diese sind in unserer
Einrichtung im Dauereinsatz und lohnenswert für Kinder ab dem Kindergarten 
alter:
Das
kleine Wutmonster
,
Britta Schwarz und Manfred Tophoven
Anna
und die Wut
,
Christine Nöstlinger & Christiane Nöstlinger
Weinen,
lachen, wütend sein – dafür bin ich nicht zu klein
, Dagmar Geisler
Zu guter Letzt sei nochmal gesagt:
Wutanfälle gehören zu kindlichen Entwicklung dazu, lassen sich nicht vermeiden
und gehen auch wieder vorüber! Sie sollten als Teil der kindlichen Entwicklung
verstanden werden, denn genau das sind sie, nicht mehr und nicht weniger!
In diesem Sinne…weiterhin starke
Nerven mit den „kleinen Wutmonstern“!
Vielen Dank, Nicki, für den
aufschlussreichen Beitrag!
Auf den Versuch vernünftig mit Anton zu reden wenn er gerade so richtig wütend
ist werde ich wohl in Zukunft verzichten, grosse Erfolge konnte ich in der Tat damit
nicht verzeichnen. 😉
xx Michelle
P.S. Die genannten Bücher sind übrigens über unseren Amazon-Shop erhältlich.
„Wut im Bauch“ – Wutanfälle bei (Klein)Kindern (Gastbeitrag)
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