Windpocken-Partys für Kleinkinder – Sinnvoll oder Risiko?

Kind hat Windpocken | © panthermedia.net /Monkeybusiness ImagesKind hat Windpocken | © panthermedia.net /Monkeybusiness Images

Rote Pusteln, Jucken und einige Tage schulfrei – so erinnern sich viele an Windpocken. Was für viele eine kurze unschöne Episode der Kindheit ist, an die man sich als Erwachsener kaum noch erinnert, ist für Eltern ein großes Thema. Etwa 750.000 Personen erkranken pro Jahr in Deutschland. Schon früher in den USA, aber auch in Deutschland Thema sind die sogenannten Windpocken-Partys. Dabei werden auf Kinderpartys bereits mit Windpocken infizierte Kinder mit bisher gesunden Kindern zusammengebracht, um eine Ausbreitung der Erkrankung auf die bisher Gesunden zu provozieren. Gut kalkulierbar oder schweres Risiko für die Gesundheit?

Windpocken-Partys für Kleinkinder

Sinnvoll?

Auch wenn sicher alle Eltern sich wünschen würden, dass ihre Kinder – optimalerweise – ohne Krankheiten durch das Kleinkindalter kommen, so klingt es doch für Elternohren erstmal verführerisch: Erkrankung des Kindes entsprechend allen beruflichen und anderen Verpflichtungen planen und vielleicht am besten direkt im Urlaub durchziehen. Das Kind ist noch nicht in einem schulpflichtigen Alter, in dem man sich überlegen muss, was es in der schule verpasst und etwaige berufstätige Eltern müssten in ihren Jobs nicht fehlen, um ein krankes Kind zu pflegen. Zudem ist der Verlauf einer Windpocken-Erkrankung bei jüngeren Kindern oft deutlich harmloser als bei älteren Kindern oder sogar Erwachsenen, bei denen es vergleichsweise oft zu Komplikationen oder schweren Folgeerscheinungen wie z.B. einer Hirnhautentzündung kommt.

Ein Risiko?

Kind misst Fieber | © panthermedia.net /Kryzhov

Kind misst Fieber | © panthermedia.net /Kryzhov

Zwar verlaufen Windpocken bei Jüngeren oft vergleichsweise harmloser als bei Älteren, doch niemand kann vorher mit 100% Sicherheit den Krankheitsverlauf vorhersagen. So kommt es auch bei 5% der Kinder zu einem Verlauf mit Komplikationen. Selbst wenn dies der Fall sein sollte, kann der Erreger, der Varizella-Zoster-Virus dennoch lange weiter unbemerkt im Körper des Betroffenen schlummern. Zwar führt dies aufgrund der Immunisierung nicht mehr zu einem Ausbruch der Windpocken, ermöglicht aber unter Umständen später den Ausbruch einer Gürtelrose, die durch den gleichen Erreger ausgelöst wird. Hierbei handelt es sich um eine schmerzhafte Hauterkrankung, die auch Nervenschäden nach sich ziehen kann und die man im Laufe des Lebens immer wieder bekommen kann.

Ein möglicherweise längeres Problem für die Gesundheit. Auch rechtlich geht man hier ein gewisses Risiko ein. So sind Windpocken in Deutschland meldepflichtige Erkrankungen, bei denen Besuch öffentlicher Einrichtungen wie Kindergarten oder Schule tabu ist. Selbst Arztpraxen haben zumeist Sonderregelungen für diese Patienten. Vom Besuch privater Veranstaltungen wird bei meldepflichtigen Krankheiten dringendst abgeraten. Nach § 223 I StGB gilt es überdies unter anderem als erfüllter Tatbestand einer Körperverletzung, wenn bei einer anderen Person ein pathologischer, d.h. krankhafter Zustand hervorgerufen wird. Eine Infektion mit Windpocken erfüllt dieses Kriterium absolut, sodass der Besuch einer Windpocken-Party auch rechtlich zu einer Strafbarkeit der Eltern führen kann.

Fazit zu den Windpcken-Partys für Kleinkinder

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Windpocken sind zwar eine typische Kinderkrankheit, aber nichtsdesto trotz eine ernstzunehmende Risiko für die Gesundheit. Eine geplante Ansteckung, um dann „mit dem Thema durch zu sein“ mag zwar organisatorisch in der heutigen Zeit mit zunehmenden Verpflichtungen für Eltern und Kinder sinnvoll erscheinen, dem gegenüber steht jedoch eine Flut von Gegenargumenten. „Gut gemeint“ ist nicht immer „gut gemacht“: Wie sollen Eltern von Kindern, die eine bewusst provozierte Infektion mit Windpocken durch eine solche Party durchgeführt haben, damit umgehen, wenn bei ihrem Kind die Windpocken-Erkrankung nicht wie geplant komplikationslos oder sogar mit Langzeitfolgen verläuft?

In diesem Fall würde man sich als Besucher einer Windpocken-Party nicht nur moralisch auf sehr dünnem Eis bewegen, sondern auch rechtlich gesehen. Selbst wer durch eine Windpocken-Party eine Windpocken-Infektion seines Kindes mit „normalem“ Verlauf erreicht, kann sich nie sicher sein, dass keine zweite Erkrankung gibt (denn Ausnahmen gibt es ja auch in der Medizin immer) und – am wichtigsten – dass dem Kind die Erkrankung anderweitig, z.B. durch eine Impfung, nicht vielleicht hätte komplett erspart werden können.

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