Mütter vorgestellt: Maike von mutterseelenalleinerziehend.de

Mutter, Bloggerin, Texterin, Autorin, Musikerin, MILF gegen Merkel… Maike von Wegen hat viele Gesichter, aber auf ein Thema trifft man immer wieder: auf die alltäglichen Herausforderungen Alleinerziehender in Deutschland. Als alleinerziehende Mutter in einer gar nicht so kleinen Minderheit (37% aller Mütter in Berlin sind alleinerziehend!) berichtet sie in ihrem Blog von ihrem Alltag, stellt nützliche Angebote vor und sagt ihre Meinung, z.b. zum Thema Betreuungsangebote und bessere Vereinbarkeit von Kind und Beruf. Heute gibt sie uns einen Einblick in ihr Leben, wie es sich durch ihre Tochter verändert hat und ihre Strategien, wenn es mal nicht so rund läuft.

Bevor ich schwanger wurde, habe ich ein Leben geführt, das man gemeinhin als „Rock‘n‘Roll“ bezeichnen würde. In meinem Umkreis war ich die erste, die ein Kind bekommen hat und bis heute hat sich daran auch nur wenig geändert. Dafür hat sich aber mein Umfeld erweitert. Ich bin inzwischen auch mit Eltern meiner Tochter befreundet. Das sind zum größten Teil Menschen, die ich ohne Kind niemals kennengelernt hätte. Ich bin inzwischen seit zehn Jahren Mutter und in dieser Zeit hat sich vieles geändert. Meine Tochter hat mich Geduld gelehrt und dass man hin und wieder „Fünfe gerade sein lassen“ muss. Ich bin zielgerichteter, konzentriere mich mehr auf die „wichtigen Dinge“ im Leben und habe gelernt, mich selbst zurückzustellen. Manchmal muss ich mich leider viel zu sehr einschränken, aber im Großen und Ganzen bin ich froh, diese Gabe gelernt zu haben. Rock‘n‘Roll gehört nun größtenteils der Vergangenheit an. Ich gehe sehr selten aus. Aber das ist auch gut so. Dass ich die letzten Jahre gezwungen war, die Abende alleine zu Hause zu verbringen hat am Ende nur dafür gesorgt, dass ich aus tiefster Überzeugung sagen kann: Ich kann sehr gut alleine sein. Ich komme gut mit mir selbst klar. Ohne Kind hätte ich das nie gelernt vermutlich. Auch das frühe Aufstehen hätte ich mir als selbständige Autorin natürlich nie beibringen müssen. Dieser Rhythmus hält mich nun aber zum Glück auf Trab. Ich stehe morgens um 6:00 Uhr auf und mache Kaffee und Kakao. Damit gehe ich meine Tochter wecken und wir begrüßen den Morgen mit Warmgetränken und warmen Kuscheleien. Meine Tochter geht dann ins Bad und ich bereite das Frühstück. Sobald sie zur Schule geht, gehe ich zum Sport. Meistens mache ich Yoga oder ich gehe joggen und dann setze ich mich an den Schreibtisch und arbeite. Ich glaube, dass ich vor allem diese Arbeitsroutine als Selbständige und ausgewiesene Chaotin ohne P. nie hinbekommen würde.

In Berlin gibt es zum Glück für Eltern und Kinder sehr viel zu erleben. An den Wochenenden gehen wir sehr gerne in Ausstellungen oder zu Straßenfesten, P. würde am liebsten jeden Tag ins Schwimmbad gehen. Aber am aller liebsten fahren wir raus an den Wochenenden, wenn das Wetter es zulässt. Wir kaufen dann Spargel in Beelitz oder schippern durch den Spreewald. Ich versuche, dass wir möglichst oft die Stadt verlassen, um dem Stress zu entkommen. Ich will auch kein solches Stadtkind großziehen, dass glaubt, Kühe seien lila.

Früher habe ich mir die Sache mit der Mutterschaft komplett anders vorgestellt. Ich bin aber auch sehr jung Mutter geworden. ich war gerade einundzwanzig und damals stellte ich mir das alles sehr viel romantischer vor. Ich dachte, es sei ein „Kinderspiel“ und ich würde alles besser machen als meine Eltern. Diese Ambition habe ich selbstverständlich immer noch, aber inzwischen hat die Realität mich oft gelehrt: Die Rolle der Mutter ist einer der wohl anspruchsvollsten Jobs der Welt. Und dabei macht man viel mehr Fehler, als man sich das vorher hätte vorstellen können. Aber auch das ist gut. Es versöhnt mich ein Stückweit mit meinen Eltern und hat meinen Blick geschärft. Ich bin glücklich darüber, Mutter zu sein. Ich bin jetzt dreiβig Jahre alt und um mich herum werden die Freundinnen langsam nervös. Torschlusspanik. Sie wollten ja auch immer Kinder, aber erst die Karriere und das mit der Sicherheit, etc. … und nun bekommen sie Angst, dass es nicht mehr rechtzeitig hinhaut. Was das angeht, bin ich ganz entspannt. Been there, done that! Es ist ein sehr schönes Gefühl zu wissen, dass man nicht entbehrlich ist. Ich mache einen wichtigen Job und P. dankt es ja sogar hin und wieder. Das sind mir die liebsten Momente. Wenn P. von sich aus merkt, was ich alles für sie tue und sich dafür bedankt. Sie massiert mir dann gerne zum Dank den Rücken und das kann sie richtig gut. Der ganze Stress, den ein Kind mit sich bringt, macht mir weniger aus. Was mich am meisten nervt, wenn ich an das Thema Familie denke, sind eher politische Umstände. Ich finde es zB. ärgerlich, dass es ein Amt gibt, dass sich das BUNDESMINSITERIUM FÜR FAMILIE, SENIOREN, FRAUEN UND JUGEND schimpft. Ich empfinde diese Bezeichnung als diskriminierend, weil sie ein Rollenbild vermittelt. Frauen sind in diesem Land offenbar immer noch ganz gerne als Gebährmaschinen gesehen, die sich um das Wohl der gesamten Familie, der Alten und der Jungen zu kümmern haben. Noch schlimmer ist es, dass dieses Amt in den Händen einer Frau ist, die soeben ein Buch veröffentlicht hat mit dem Titel: „Danke, emanzipiert sind wir selbst“. Das Leben unserer Ministerin Kristina Schröder scheint grob an unserer Realität vorbeizugehen. Was ich mir wünschen würde wäre, dass sich die Mutterschaft in diesem Land besser mit Selbstverwirklichung vereinbaren ließe. Ich bin alleinerziehend und 42% aller deutschen Alleinerziehenden sind abhängig von Sozialleistungen. Ich wünschte, das wäre anders. Leider ist es wirklich verdammt schwierig, alleinerziehend zu sein und einen Job zu haben, der die Lebenskosten deckt.

Für alle anderen nervigen Muttermomente habe ich eine Strategie entwickelt. Der Alltag mit Kind kann einem schon hin und wieder gehörig auf die Nerven gehen. Ich habe für mich „das Loslassen“ etabliert. An Tagen, an denen alles schief zu gehen scheint, schnappe ich mir mein Kind, herze und kuschle es und sage ihm, dass heute ein doofer Tag ist. Ich lasse sofort alle Tagespläne fallen und vertreibe jeglichen Vorsatz. Auch, wenn diese Rechnung heute bezahlt werden muss und der Spülberg wächst, wenn man eigentlich einen Termin beim Arzt hätte und doch heute endlich mal wieder Fahrrad fahren wollte, vergesse ich einfach alles ganz schnell und sage überall ab. Dann rotte ich mich mit meinem Kind zusammen und wir gehen nach draußen ohne konkrete Vorstellungen. Wir lassen uns dann einfach überraschen von dem, was der Tag uns zu bieten hat. Oder wenn es regnet, kuscheln wir uns mit einer DVD zusammen. Der beste Tipp für miese Tage – ob mit Kind oder ohne – ist und bleibt: Verwerfe all deine Pläne und lass den Tag Tag sein. Davon werden diese Tage zwar in der Regel nicht besser, aber man gibt ihnen auch keine Chance noch schlimmer zu werden. Und wenn man es ein paar Mal geübt hat, stellt sich irgendwann dabei auch tatsächlich ein wenig Entspannung ein. Alles ist immer eine Frage der Erwartungshaltungen, denke ich. Und an manche Tagen sollte man lieber keine Erwartungshaltungen haben.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Maike für’s Mitmachen! Mehr von Maike gibt’s auf ihrem Blog mutterseelenalleinerziehend.de

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